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Innovative Textilkünstlerin

Ein Leben in Kunst,
Farbe und Freiheit

Ein Leben in Kunst, Farbe und Freiheit

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DIE-WERKSTATT-Aquarell-Carl-Larsson-1908

DIE WERKSTATT. Aquarell, Carl Larsson, 1908.

Wir erhaschen einen Blick auf Karins Arm, der am Webstuhl in der Werkstatt arbeitet, und Carl beschreibt in dem Buch „Zur Sonnenseite“, dass sein früheres Atelier nun „⁠… der Handarbeitsraum der Hausfrau ist, wo Webstuhl und Spinnrad für die tägliche Arbeit bereitstehen.⁠“ Karins Textilien sind innovativ und ausdrucksstark. Kräftige Farben und japanische Einflüsse ebnen den Weg für die abstrakte Textilkunst. Für sie sind Entwurf und Ausführung eine Einheit. Als Textilkünstlerin verbindet sie traditionelle Volkstextilien mit den geschwungenen Linien des Jugendstils und dem Handwerksideal der Arts-&-Crafts-Bewegung. Sie schafft Kleidung, die Modernität und Freiheit ausstrahlt – für sich selbst ebenso wie für ihre Kinder.

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FOTO: Carl Larsson-gården, 1906.

Karin arbeitet am Gobelin-Webstuhl in der Werkstatt auf Lilla Hyttnäs. Die Werkstatt ist Carls erstes Atelier, das nun zu ihrem Arbeitszimmer geworden ist. Hier hat sie Raum für ihre Kreativität und Platz zum Schaffen. Sie trägt ihr charakteristisches Kleid mit gestreifter Schürze. Es ist auch Karin, die mit raffiniertem Geschmack und geschickten Händen die Kostüme zusammennäht, die Carl Larsson für seine Modelle benötigt. Weiter hinten im Atelier sieht man Carl, wie er aus dem Fenster blickt, während eine der Töchter des Paares rechts auf der Bank sitzt, gekleidet in Sundborn-Tracht.

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UNTER DEN BIRKEN. Aquarell, Carl Larsson, 1902.

Trotz der großen Familie findet die fleißige Karin Momente der Ruhe – wie hier mit einem Buch –, doch fast immer hat sie etwas in den Händen. Das gestreifte Kleid, das sie trägt, hat sie selbst entworfen, und auf dem Kopf trägt sie das rote Tuch mit Bommeln, das sie häufig verwendet.

Funktionale und
ästhetische Mode für Frauen

Für Karin ist Kleidung ein Ausdruck ihrer künstlerischen Identität. Sie entwickelt einen eigenen Stil, der von der Mode und den Strömungen ihrer Zeit beeinflusst ist. Ohne einengende Korsetts entwirft Karin Kleidung, die eine natürliche Eleganz hat, zugleich bequem ist und für Bewegung sowie den Gebrauch im Alltag gemacht ist. Das gestreifte Kleid, das auf dem Aquarell „Unter den Birken“ abgebildet ist, wird bis heute von den Guides auf dem Carl Larsson-gården getragen.

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BRITA, EINE KATZE UND EIN BUTTERBROT. Aquarell, Carl Larsson, 1898.

BRITA, EINE KATZE UND EIN BUTTERBROT.
Aquarell, Carl Larsson, 1898.

Ein Blick in den Alltag: Brita isst ein Butterbrot, die Katze zu ihren Füßen. Sie trägt Kleidung, die Karin entworfen und genäht hat – praktische Stücke, gemacht für die Bewegungen von Kindern, angenehm zu tragen und schön anzusehen.

Kleidung für Kinder, die Kinder sein dürfen

Die acht Kinder der Familie brauchen während des Aufwachsens ständig Kleidung – zu verschiedenen Anlässen und in unterschiedlichen Jahreszeiten. Karin näht schlichte, schöne und funktionale Kleidung, die das Spielen der Kinder nicht einschränkt. Sie orientiert sich weitgehend an der damaligen Mode und verwendet langlebige Materialien wie Leinen, Baumwolle und Wolle. Sie bestickt Details und fügt handgearbeitete Elemente hinzu, wobei die Muster von der Natur inspiriert sind und ihre Vorliebe für Harmonie und Schlichtheit widerspiegeln.

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KARIN MIT GROSSEM HUT. Ölskizze, Carl Larsson, 1905.

Karin Larssons Schaffen ist geprägt von Neugier, Innovationsgeist und einer Offenheit für Trends und Einflüsse, die sie aufnimmt und zu ihren eigenen macht. Es wird erzählt, dass Karin, als eine der Weberinnen im Haus versehentlich falsch webt, sagt: „⁠Mach nur weiter … die Hand soll zu sehen sein.⁠“

Karin und die Hüte

Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind Hüte ein zentraler Bestandteil der Frauenkleidung. Karin trägt gern Hut, und ihre Hüte haben oft eine großzügige Form mit dekorativen Details, die an ihre Entwürfe in Textilien und Einrichtung erinnern. Es gibt viele Beispiele in der Kunst, wie etwa „Frühstück im Grünen“ und „Lisbeth als Brautjungfer“. Mit dem weißen Sonnenhut, der in „⁠Karin und Brita im Garten⁠“ dargestellt ist, ist Karin ihrer Zeit weit voraus. Der Hut ist als Sonnenschutz entworfen, und das wichtigste Element ist die weit nach vorn gezogene Krempe, die steif ist, um das Gesicht vor der Sonne zu schützen. Das erreicht sie, indem sie Stofflagen aufnäht, die mit dekorativen Nähten zusammengehalten werden.


Der Sonnenhut ist auf Lilla Hyttnäs gut erhalten, aber die Kinder der Ururenkel dürfen ihn nicht benutzen, wenn sie sich verkleiden. Eine Tradition, die in der Familie seit Carls und Karins Zeit weiterlebt.

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MEINE FRAU. Aquarell, Carl Larsson, 1912.

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VERSTECKSPIEL. Aquarell, Carl Larsson, 1898.

Pionierin der schwedischen
Textilkunst und Inneneinrichtung

Karin ist eine Visionärin, technisch wagemutig und äußerst versiert. Sie scheut sich nicht zu experimentieren und traditionelle volkstümliche Techniken zu erneuern, während sie zugleich neue Ausdrucksformen integriert. Ein Beispiel für ihre kühne Vision ist der Gobelin „Die vier Elemente“, den sie 1903 für das Sofa im Esszimmer auf Lilla Hyttnäs schafft. Karins Werke, voller starker Farben und ausdrucksstarker Motive auf Kissen, Vorhängen und Wandbehängen, tragen zu einem neuen Wohnideal bei, geprägt von Licht, Harmonie und Kreativität.

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PAPA, MAMA, KINDER. Aquarell, Carl Larsson, 1906.

Hinter den drei Kindern sieht man den Gobelin „Die vier Elemente“, von Karin 1903 komponiert, um das neue Sofa im Esszimmer zu schmücken. Das Muster ist ein herausragendes Beispiel ihrer kühnen und innovativen Textilkunst. Karins Textilien sind sehr originell, oft mit abstrakten Mustern, kraftvollen Kompositionen in vibrierenden Farben und stilisierten Pflanzenmotiven. Sie erforscht volkstümliche Traditionen mit technischer Experimentierfreude und entwickelt eigene Ausdrucksformen.

DIE VIER ELEMENTE. Webarbeit, Karin Larsson, 1903

Innovativ und für die Zeit kühn sind die kräftigen Farbfelder und das rhythmische Muster. Auf der Rückseite sind die Farben so bewahrt, wie Karin sie sieht. In das Sonnenmotiv oben links webt sie die Jahreszahl 1903 ein, und oberhalb der unteren karierten Bordüre fügt sie eine Menschengestalt, einen Lichtkorb und zwei Kreuzsymbole hinzu, die den Ausdruck des Werks vertiefen.

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FOTO: Carl Larsson-gården.

Karins Original des Sonnenblumenkissens ist stark genutzt und kommt in mehreren von Carls Aquarellen vor. Das Kissen hat seinen Platz auf dem Esszimmersofa. In jede Ecke stickte Karin eine stilisierte Sonnenblume, eines der am meisten geschätzten Motive des schwedischen Jugendstils. Es ist in Plattstich, Stielstich und Kreuzstich auf Wollstoff genäht. Die Farben sind gut erhalten und zeigen die Nuancen, die Karin beabsichtigte. Heute liegt eine Kopie am selben Platz auf dem Sofa, und für alle, die ein eigenes Kissen nähen möchten, gibt es auf dem Hof ein Handarbeitsset zu kaufen.

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